Das Analysehaus Morgen & Morgen hat sein aktuelles PKV-Rating veröffentlicht. Insgesamt wurden 916 Policen von 29 verschiedenen Anbietern unter die Lupe genommen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die durchschnittlichen Anpassungen leicht von 1,68 auf 1,77 Prozent gestiegen. Der Mittelwert der relativen Beitragssteigerungen im neuen Jahrgang liege zwischen -1,27 Prozent und 6,95 Prozent. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor. „Vor der Umstellung auf Unisex-Tarife lag 2012 das Anpassungsniveau noch bei durchschnitt-lich knapp fünf Prozent. Die jetzige Anpassung ist also immer noch verhältnismäßig. Auch in den folgenden Jahren rechnen wir mit weiteren Anpassungen“, sagt Geschäftsführer Pascal Schiffels.

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Nimmt man die Auswertung des Unternehmens aus Hofheim am Taunus zum Maßstab, dann sind in der PKV mehrheitlich "ausgezeichnete" oder "sehr gute" Angebote auf dem Markt. Gleich 266 Tarife dürfen sich als Klassenprimus fühlen, da sie mit der Bestnote „Fünf Sterne“ ausgezeichnet wurden. Das sind immerhin 29 Prozent der Tarifkombinationen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine leichter Zuwachs. Denn 2019 hatten noch 245 Tarife eine 5-Sterne-Bewertung erhalten.

Immerhin noch 278 Tarife dürfen sich über eine "sehr gute" Bewertung freuen. Im Mittelfeld finden sich 216 Tarifvarianten wieder. Knapp 17 Prozent der untersuchten Tarife musste sich nach der Interpretation von Morgen & Morgen mit einer unterdurchschnittlichen Bewertung begnügen. Mit 2 Sternchen ("schwach") Vorlieb nehmen mussten 104 Tarife. Weitere 52 Tarife bekamen gar nur 1 Sternchen verliehen und damit ein "sehr schwach". Im vergangenen Jahr waren es nur 32 Tarifkombinationen mit der schwächsten Benotung. Davon waren 15 Tarife aus dem Hause der Axa. Weitere 13 Tarife kommen von der Inter. Mit jeweils vier Tarifen folgen Barmenia und Concordia.

PKV-Rating mit nur wenig schwachen Ergebnissen

Trotz der detaillierten Auswertung ist die Summe an Bestbewertungen auffallend. Manche Anbieter können mit teilweise über 50 Fünf-Sterne-Tarifen glänzen. So hat beispielsweise die ARAG 82 Bestbenotungen eingefahren. Hier alle Tarife mit Bestbewertung aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Die Ergebnisse können auf der Webseite des Ratinghauses eingesehen werden.

So wurde getestet

Bei der Untersuchung hat Morgen & Morgen nur die Tarife berücksichtigt, bei denen Neugeschäftsbeiträge in den Jahren 2015 bis 2020 vorhanden waren und bei denen das zulässige Eintrittsalter in den Tarif von 21 bis einschließlich 50 Jahren erlaubt ist. Anschließend seien 30 verschiedene Eintrittsalter pro Tarifkombination nach sogenannten Effektivbeiträgen ausgewertet worden. Das heißt, die vorliegenden Monatsbeiträge werden auf das Jahr umgerechnet und der Selbstbehalt - sofern vorhanden - addiert. Beihilfe-Tarife wurden nicht berücksichtigt, die Pflegeversicherung auch nicht. Ausgewertet wurden die Prämienanpassungen der letzten fünf Jahre. Die fünf durchschnittlichen Steigerungen wurden dann zu einem Mittelwert und einer Standardabweichung zusammengerechnet. Demnach ergebe sich eine gute Beitragsstabilität, wenn die durchschnittliche Beitragssteigerung ebenso gering ist wie die Streuung der Steigerungen, berichten die Tester.

Kritik zu Testergebnissen von Versicherungen

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Kritik um Ratings in der Versicherungsbranche gegeben. So hatte sich beispielsweise die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisch zu den vielen positiven Ratings von Versicherungs-Policen geäußert. In einer Stichprobe hatten die Verbraucherschützer eine wahre Flut an besten Bewertungen ausgemacht. Dabei wurde den Ratinghäusern auch ein gewissen Eigeninteresse unterstellt. Schließlich würden viele Unternehmen mit Testsiegeln gutes Geld verdienen. Versicherer, die mit dem Original-Signet um Kunden werben wollen, müssen oft Lizenzgebühren zahlen. Locker einige tausend Euro kann es beispielsweise kosten, das Logo von Focus Money oder der Stiftung Warentest zu verwenden.

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Auch Morgen & Morgen verlange eine Schutzgebühr, wenn ein Versicherer mit den Testergebnissen werben wolle, berichtete Sprecherin Jennifer Ebing bereits im Jahr 2018. Diese sei aber niedrig, die Unabhängigkeit des Analysehauses gewahrt. Die genaue Höhe der Gebühr wollte die Sprecherin nicht nennen.